Existenz & Erkenntnis Konsultation
Angst vor dem Tod: Was sie eigentlich fürchtet
Was fürchtet die Angst vor dem Tod? Gwendolin Kirchhoff fand in ihrer Kindheitsangst ein Bild, in dem sie gar nicht gestorben war, sondern lebendig begraben unter einem Granitblock lag. Mit etwa fünfzehn erkannte sie: Das kann nicht der Tod sein.
Die Angst vor dem Tod fürchtet, wenn man ihr genau zusieht, nicht unbedingt den Tod selbst: Gwendolin Kirchhoff hat in ihrer eigenen Kindheitsangst ein Bild gefunden, in dem sie gar nicht gestorben war, sondern lebendig begraben unter einem Granitblock lag. Vielleicht kennst Du diese Angst aus Nächten, in denen der Gedanke an die eigene Sterblichkeit nicht mehr weggeht und das Grübeln kein Ende findet, oder aus einem Moment, in dem der Tod plötzlich ganz nah war. Sie verdient, genau angeschaut zu werden. Denn ob man den Tod fürchtet, ist nur die erste Frage. Die zweite lautet, welches Bild vom Tod man fürchtet.
Gwendolin Kirchhoff hat diese Angst in ihrem Vortrag „Nachdenken über den Tod“ (2024) mit der phänomenologischen Methode untersucht. Sie betrachtet dabei genau, wie sich ein Sachverhalt in der subjektiven, leiblichen Erfahrung eines Menschen darstellt, in diesem Fall in ihrer eigenen (vgl. Kirchhoff, G., 2024, Nachdenken über den Tod (1), 02:58–03:18). Der folgende Text geht ihre Beschreibung Schritt für Schritt durch und stellt ihr einige Stimmen aus der Philosophie zur Seite.
#Was ist Todesangst?
Todesangst ist nach Gwendolin Kirchhoff kein einheitliches Gefühl: Wer sie näher anschaut, sieht sie in drei Komponenten auffächern (vgl. Kirchhoff, G., 2024, Nachdenken über den Tod (1), 03:18–03:34). Sie nennt die Angst vor der eigenen Sterblichkeit, die akute Todesangst als einen Schrecken, der eine Schwelle ausmacht, und das Risiko. Davon zu unterscheiden ist die Angst vor dem Sterben, vor Schmerz, Krankheit und Kontrollverlust am Lebensende. Sie ist ein eigenes Thema, das in der Sterbebegleitung und in der Seelsorge seinen Ort hat; dieser Text bleibt bei der Angst vor dem Tod selbst.
Das Risiko behandelt sie in diesem Vortrag nur am Rand, und sie begründet das: Das Risikogefühl sei im Vergleich zur offenen Angst vor der eigenen Sterblichkeit ein gedämpftes Gefühl, sehr handlungsorientiert und ausweichend; der Tod sei darin nicht direkt präsent, sondern erscheine als etwas, das durch Klugheit zu vermeiden ist (vgl. ebd., 03:43–04:02). Gering schätzt sie es trotzdem nicht. Sie hält fest, „dass diese Art von Risikobewusstsein, also das Risiko des Todes, unfassbar viele Handlungen motiviert, die ein Mensch in seinem Leben durchführt“ (ebd., 04:04). In der Gestalt des Risikos ist der Tod nach ihrer Beschreibung überall, auch in den täglichen Handlungen, nur emotional verdeckt und nicht ganz fühlbar (vgl. ebd., 04:15–04:23).
| Komponente | Wie Gwendolin Kirchhoff sie beschreibt |
|---|---|
| Angst vor der eigenen Sterblichkeit | ein offenes Gefühl, in ihrer Kindheit jede Nacht vor dem Einschlafen |
| Akute Todesangst | ein Schrecken an einer Schwelle, ein Schnitt im Raum |
| Risiko | gedämpft, handlungsorientiert und ausweichend, der Tod emotional verdeckt |
#Wie fühlt sich die Angst vor der eigenen Sterblichkeit an?
Die Angst vor der eigenen Sterblichkeit hat Gwendolin Kirchhoff an ihrer eigenen Kindheit beschrieben. Sie ist in einem, wie sie sagt, buddhistischen Haushalt groß geworden, in dem Wiedergeburt eine Selbstverständlichkeit war. Trotzdem entwickelte sie im Alter von etwa sieben, acht Jahren ein Bewusstsein ihrer eigenen Sterblichkeit und hatte nachts vor dem Einschlafen Angstzustände, einige Jahre lang, jede Nacht. Sie lenkte sich mit Hörspielkassetten ab, um einschlafen zu können und es auszuhalten (vgl. Kirchhoff, G., 2024, Nachdenken über den Tod (1), 04:53–05:24).
In den Gedanken, die dabei kreisten, unterscheidet sie drei Qualitäten. Da war eine Zeit, die mechanisch verrann wie eine ablaufende Sanduhr und die sie nicht meinte. Da war ein Raum des Todes, dunkel, körperlos, in dem nur ihr inneres Sprechen, eine Gefühlsqualität und ein Sehen der Dunkelheit anwesend waren. Und dieser Raum lastete auf ihr: „ich fühle mich wie lebendig begraben unter einem Granitblock“ (ebd., 06:48). Sie beschreibt ihn als ausweglos, als einen Zustand vollkommener Ohnmacht, in dem sich nichts wandelt (vgl. ebd., 05:31–07:06).
Zugleich tauchte in ihr, sobald sie dieses Bild berührte, ein beinahe suchtartiges Bedürfnis auf: nach einem offenen Raum und nach einer lebendigen Zeit, die sie auf ein Abenteuer mitnimmt, in der die Dinge nicht vorhergesehen sind und die sie meint (vgl. ebd., 07:12–07:46). Die Angst hatte also zwei Seiten. Neben dem Grauen vor der mechanischen Zeit und dem schweren Raum stand die Sehnsucht nach dem Gegenteil.
#Was fehlte in Gwendolin Kirchhoffs Bild vom Tod?
In Gwendolin Kirchhoffs Kindheitsbild vom Tod fehlten drei Dinge, die man vielleicht erwarten würde: ein Gericht, ein Sinn und die anderen Menschen. „Und was das Bild aber nicht enthielt, obwohl man das vielleicht traditionellerweise vermuten würde, war eine Idee von einem Gericht.“ (Kirchhoff, G., 2024, Nachdenken über den Tod (1), 07:53) Es gab darin kein Jenseits mit Himmel oder Hölle, obwohl sie als Kind sehr gewissenhaft war und eine innere Gewissensinstanz kannte, die sie mit dem gestirnten Nachthimmel verband (vgl. ebd., 08:01–08:37).
„Was auch fehlte, war eine Idee von irgendeinem Sinn, den das Leben hat.“ (ebd., 08:38) Die Zeit lief nach ihrer Beschreibung zwangsläufig auf dieses Lebendig-begraben-Sein zu, unabhängig von Lohn und Strafe; ihre eigenen Entscheidungen hätten daran nichts geändert (vgl. ebd., 08:43–09:03). Und schließlich: Sie war sich ihrer eigenen Sterblichkeit bewusst, nicht der Sterblichkeit der anderen. „Die anderen waren auch in dieser Todeswelt nicht da, da war ich ganz allein.“ (ebd., 09:17)
Heute fällt ihr an diesem Bild etwas auf: Es ähnelt der Vorstellung, die sich die moderne Kosmologie vom Kosmos macht, einer mechanisch ablaufenden Zeit, die dem menschlichen Leben gegenüber gleichgültig ist, in die das menschliche Leben existenziell geworfen ist (vgl. ebd., 09:34–09:51). Sie nennt das Bild eine Art Fantasie, in der sie unbewusst gelebt hatte (vgl. ebd., 09:22–09:27). Diese Fantasie glich einem Weltbild, und in ihr war kein Platz für einen Sinn, für ein Gericht oder für die anderen.
#Warum fürchten wir uns vor dem Tod?
Wir fürchten uns vor dem Tod, so lautet eine naheliegende Antwort, weil wir das Nichtsein fürchten. Arthur Schopenhauer hat diese Antwort ernst genommen und an ihr selbst geprüft:
Das Argument ist stark. Niemand erschrickt vor der unendlichen Zeit, in der er noch nicht geboren war, und Schopenhauer folgert, dass auch die Zeit nach dem Tod, für sich genommen, nicht schrecklicher sein kann (vgl. Schopenhauer, 1844, Die Welt als Wille und Vorstellung, Bd. 2, Kap. 41). Epikur hatte die Beruhigung noch knapper gefasst: Solange wir sind, ist der Tod nicht da, und wenn der Tod da ist, sind wir nicht mehr (vgl. Epikur, Brief an Menoikeus, 125). Schon Platon kannte diese Angst und ihre kindliche Gestalt. Im Phaidon hält Sokrates seinen Freunden Simmias und Kebes vor, sie scheinen sich „zu fürchten wie die Kinder, daß nicht gar buchstäblich der Wind sie, wenn sie aus dem Leibe herausfährt, auseinanderwehe und zerstäube“ (Platon, Phaidon, 77d–e). Gemeint ist die Seele, die sich nach dem Tod in nichts auflösen könnte.
Auf Gwendolin Kirchhoffs Kindheitsbild passt dieses Argument aber nicht. Gefürchtet war darin kein Nichtsein und kein Zerstäuben, sondern ein Weiterbestehen ohne Ausweg: ein Bewusstsein, das allein in der Dunkelheit liegt und nicht entkommen kann. Jochen Kirchhoff hat im Gespräch mit ihr benannt, was eine Welt ohne Bewusstseinswirklichkeit mit dieser Angst macht. Wer meint, der Mensch komme aus dem Nichts und gehe wieder ins Nichts, für den gilt nach seinen Worten: Das „steigert die Todesangst natürlich ins Monströse“; der Tod sei dann „die schwarze Wand“, an der man zerschmettert (Kirchhoff, J., in SYMPOSIUM, 2024, 12:10).
Damit verschiebt sich die Frage: Was fürchtet ein Mensch am Tod, wenn sein Bild vom Tod an einem Weltbild hängt, das er nie geprüft hat? Mehr zu diesem Hintergrund findest Du unter Nihilismus und Tod in der Philosophie.
#Was hat Gwendolin Kirchhoff die Angst vor dem Tod genommen?
Gwendolin Kirchhoff hat die Angst vor ihrer eigenen Sterblichkeit nach ihrer Darstellung mit ungefähr fünfzehn verloren, durch eine Einsicht. „Und dann hatte ich aber mit ungefähr 15 die Angst vor dem Tode verloren.“ (Kirchhoff, G., 2024, Nachdenken über den Tod (1), 09:56) Den Grund nennt sie gleich danach: „Weil ich einen Denkfehler tatsächlich erkannt hatte in meiner Vorstellung.“ (ebd., 10:04) Für sie zeigt sich daran, dass Philosophie und Nachdenken helfen: Wer die Dinge genau betrachtet, kommt irgendwann darauf, was es war (vgl. ebd., 10:10–10:16).
Der Denkfehler lag im Bild selbst. „In diesem Bild des Todes, ja, kann ich gar nicht gestorben sein, sondern lebe ja noch“ (ebd., 10:22), und zwar im Raum einer konkreten Fantasie, lebendig begraben wie unter einem Granitblock, unbeweglich und kaltgestellt. „Und das kann nicht der Tod sein.“ (ebd., 10:36) Als sie die Irrealität dieser Vorstellung erkannt hatte, klappte ihr Verstehen nach ihren Worten sofort um „in eine Unausweichlichkeit des Lebens“ (ebd., 10:51). Seitdem hatte sie diese Angst vor der eigenen Sterblichkeit nicht mehr (vgl. ebd., 10:58).
In ihrem Fall kam dabei sofort der Gedanke der Wiedergeburt ins Spiel. Sie hält aber fest, dass man ebenso gut sagen könnte, mit dem Tod sei einfach Schluss, und dass das Leben so oder so unausweichlich ist. Für ihren individuellen Zeitablauf hat der Tod dann keine Relevanz mehr; er ist kein Raum, in dem sie irgendwie sein wird, und das Leben ist für sie alles, was es gibt (vgl. ebd., 11:01–11:43).
Das ist ihr Weg gewesen, keine Methode, die jedem die Angst nimmt. Wie Du mit Deiner eigenen Angst vor dem Tod umgehen kannst, lässt sich daraus nicht ableiten wie aus einem Rezept. Was sich daraus für Dich lernen lässt, ist eher eine Blickrichtung: genau hinzusehen, welches Bild Deine Angst vor Augen hat, und zu prüfen, ob dieses Bild wirklich den Tod zeigt.
#Verschwindet die Angst vor dem Tod, wenn man sie durchschaut?
Bei Gwendolin Kirchhoff verschwand die Angst vor der eigenen Sterblichkeit, doch an ihre Stelle trat zunächst etwas anderes. Mit der Unausweichlichkeit des Lebens kam für sie auch die Unausweichlichkeit des Leidens (vgl. Kirchhoff, G., 2024, Nachdenken über den Tod (1), 12:15–12:24). Sie hatte sich das Knie gestoßen und begriff, dass sie in einem Leben beim besten Willen nicht vermeiden kann, sich einmal zu schneiden, sich zu verbrennen oder das Knie zu stoßen, und „dass das Leiden und verkörperte Existenz nicht auseinanderzudenken sind“ (ebd., 12:38).
Im Zusammenhang mit dem Buddhismus wollte sie damals nicht noch einmal wiedergeboren werden und neues Leid erleben. Sie fügt hinzu: „Meine Haltung hat sich seitdem verändert, ja, aber damals habe ich das so gedacht.“ (ebd., 13:22) Die Furcht vor der eigenen Sterblichkeit wandelte sich in den Wunsch, den eigenen Tod zu bestehen: „ich möchte meinen Tod bestehen, einen guten Tod sterben“ (ebd., 13:35). Den Tod sah sie nun „als eine Art Mysterium und eine Art zu bestehende Prüfung“ (ebd., 13:48).
Damit trat hinzu, was im Kindheitsbild gefehlt hatte. Den Tod brachte sie mehr und mehr mit ihrer Gewissensinstanz zusammen, die sie mit dem Sternenhimmel verband; wo sie vorher kein Gericht wahrgenommen hatte, nahm sie nun eines wahr (vgl. ebd., 13:58–14:18). „Allerdings hatte ich das distinkte Gefühl, ich würde mich selber richten.“ (ebd., 14:19) Und es entstand ein Wunsch nach Erlösung (vgl. ebd., 14:30). Die Todesfurcht war also nicht einfach fort. Sie hatte sich gewandelt, von der Furcht vor einem ausweglosen Raum zum Wunsch, den eigenen Tod zu bestehen.
#Ist die Angst vor dem Tod die Angst vor sich selbst?
Die Angst vor dem Tod ist nach Jochen Kirchhoff die Angst vor sich selbst. In einem Gespräch mit Gwendolin Kirchhoff aus dem Jahr 2020 sagte er, hinter der Angst vor dem Tod stecke noch eine andere Angst, die Angst des Menschen vor sich selbst, weil er in der letzten Konfrontation mit dem Sterben mit sich selbst konfrontiert sei; seine Macht- und Ego-Spiele zerstieben da (vgl. Kirchhoff, J., 2020, The Great Reset als Technische Welterlösung?, 1:19:56–1:20:22). Seine Formel lautet: „die Angst vor dem Tod ist die Angst vor sich selbst“ (ebd., 1:20:32).
Gwendolin Kirchhoffs eigene Beschreibung ist nicht dieselbe, aber sie berührt sich mit seiner an einer Stelle. Auch in ihrem Weg vom Kindheitsbild zur Jugend taucht am Ende der Mensch vor sich selbst auf: der Tod als eine zu bestehende Prüfung und das Gefühl, sie würde sich selber richten. Für Dich ergibt sich daraus keine Diagnose, sondern eine Frage an Dich selbst: Wovor genau schreckst Du zurück, wenn Du an Deinen eigenen Tod denkst, vor dem Nichts, vor einem ausweglosen Raum oder vor dem, was Du dort über Dich selbst erfahren könntest?
#Was geschieht in akuter Todesangst?
In akuter Todesangst erscheint der Tod nach Gwendolin Kirchhoff als Schwelle. Sie beschreibt ein Schwellenbewusstsein, das einen anflutet: Jetzt, in diesem Moment, wird mir klar, ich werde sterben (vgl. Kirchhoff, G., 2024, Nachdenken über den Tod (1), 17:00–17:10). Für sie erscheint das als „eine Art undurchdringliche, schwarze, glatte Wand“ (ebd., 17:12), und weiter: „Es ist wie ein Schnitt im Raum und dahinter ist die totale Unwissbarkeit“ (ebd., 17:24).
Im Angesicht dieses Schreckens prüfen wir nach ihren Worten die Ausrichtung der Lebenskraft. Es wird akut klar, was Zeitverschwendung ist, welche tiefer liegenden Wünsche man hat und wo man seine Zeit vielleicht falsch investiert (vgl. ebd., 18:09–18:34). „Und von dieser Todesnähe aus richtet sich das Leben aus“, die menschlichen Tätigkeiten ordnen sich: „Sie werden nicht beliebig, sondern es gibt das Gefühl von etwas Gemeintem.“ (ebd., 18:45–18:53) Und noch etwas geschieht in der unmittelbaren Todesnähe: Dort „wird die Wahrheit wichtiger als die Selbsttäuschung“ (ebd., 19:38). Der Wahrheitswille ist für sie vielleicht ein Kind dieses Todesbewusstseins, denn vor dem Tod gibt es plötzlich eine starke Unterscheidung zwischen dem Realen und dem Nichtrealen (vgl. ebd., 19:46–20:02).
Hier liegt der Unterschied zur nächtlichen Angst vor der Sterblichkeit. Jene Angst sah einen Raum, in dem man lebendig begraben weiterlebt und dem man nicht entkommen kann; die akute Todesangst sieht eine Schwelle, hinter die man nicht blicken kann und hinter der die Ungewissheit beginnt, ein Unbekanntes im strengsten Sinn. Beide berühren das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit, aber auf entgegengesetzte Weise. Was eine Nahtoderfahrung über diese Schwelle erzählt, ist eine eigene Frage.
#Wann ist Angst vor dem Tod ein Fall für Psychotherapie?
Ein Fall für Psychotherapie ist die Angst vor dem Tod, wenn sie Deinen Alltag beherrscht, in Panikattacken übergeht oder Dich über Wochen nicht schlafen lässt. Dann gehört sie in die Hände einer approbierten Psychotherapeutin oder eines Arztes, nicht in ein philosophisches Gespräch. Für eine ausgeprägte Angst vor dem Tod und dem Sterben gibt es einen eigenen Namen, Thanatophobie, und für Betroffene gibt es Fachleute, die psychotherapeutisch mit ihr arbeiten. Wann der Weg in die Psychotherapie der richtige ist, beschreibt die Seite Wann Psychotherapie statt philosophischer Begleitung? genauer.
Wenn aus der Angst vor dem Tod Gedanken werden, nicht mehr leben zu wollen, oder Gedanken, das eigene Leben zu beenden, ist nicht die Zeit zum Nachdenken, sondern die Zeit für sofortige Hilfe: In Deutschland erreichst Du den Notruf unter 112. Die TelefonSeelsorge erreichst Du unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, rund um die Uhr, kostenlos und anonym.
Philosophische Begleitung kann eine Psychotherapie ergänzen. Sie ersetzt sie nicht. Ihr Feld ist die Frage, die hinter der Angst steht, wenn die Angst Dich nicht mehr überflutet.
#Was bleibt, wenn man die Angst vor dem Tod genau ansieht?
In Gwendolin Kirchhoffs Kindheitsangst vor dem Tod stand zuerst ein Vorstellungsbild, und erst dahinter die Frage nach dem Tod selbst. Gwendolin Kirchhoff fand in ihrem Bild eine Zeit, die sie nicht meinte, einen Raum ohne Ausweg und eine Einsamkeit ohne die anderen. Sie fand darin auch die Sehnsucht nach dem Gegenteil, nach einer Zeit, die meint, und nach einem offenen Raum. Und als sie erkannte, dass dieses Bild nicht der Tod sein kann, blieb nicht die Leere zurück, sondern die Unausweichlichkeit des Lebens.
Ob sich diese Bewegung in Deiner eigenen Auseinandersetzung mit dem Tod einstellt, kann niemand versprechen. Was Du tun kannst, ist genau hinzusehen, über den Tod zu sprechen und Deine eigene Vorstellung von ihm in Worte zu fassen, allein oder in einem Gespräch. Wenn Dich die Angst vor dem Tod gerade in eine existenzielle Krise oder eine Lebenskrise geführt hat, findest Du dort weiter. Mehr zu Spinozas Satz vom freien Menschen und zur Philosophie der Geburt steht in Nachdenken über den Tod. Wenn Dich der Tod eines Angehörigen oder eines anderen Menschen beschäftigt, den Du verloren hast, helfen vielleicht die Texte über die Trauerphasen und über die Trauer um die Mutter.
#Quellen
- Epikur (ca. 300 v. Chr.). Brief an Menoikeus. Zit. 125.
- Kirchhoff, G. (2024). „Nachdenken über den Tod (1)“ [Video]. SYMPOSIUM, YouTube. https://www.youtube.com/watch?v=KSltRJB88jg, 02:58–20:02.
- Kirchhoff, G. & Kirchhoff, J. (2024). „Die Anderswelt: Nachdenken über den Tod (2) – Ein Gespräch mit Jochen Kirchhoff“ [Video]. SYMPOSIUM, YouTube. https://www.youtube.com/watch?v=o-secv4Z-pM, 11:33–12:24.
- Kirchhoff, J. (2020). „The Great Reset als Technische Welterlösung?“ [Video]. Jochen Kirchhoff – In Memoriam, YouTube. https://www.youtube.com/watch?v=Kgnj2zTzcxc, 1:19:56–1:20:35.
- Platon (ca. 385 v. Chr.). Phaidon, 77d–e. Übers. Friedrich Schleiermacher. Zitiert nach: Sämtliche Werke, Bd. 1, Berlin [1940], S. 758.
- Schopenhauer, A. (1844). Die Welt als Wille und Vorstellung, Zweiter Band. Leipzig: Brockhaus. Kap. 41. Zitiert nach: Zürcher Ausgabe. Werke in zehn Bänden, Bd. 4, Zürich 1977, S. 546.
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