Lexikon Deutsche Denktradition

Übermensch

Definition

Der Übermensch ist Friedrich Nietzsches Bild für das, was über den gegenwärtigen Menschen hinausgeht. In Also sprach Zarathustra (1883) verkündet Zarathustra: Ich lehre euch den Übermenschen; der Mensch ist etwas, das überwunden werden soll.

Der Übermensch ist Friedrich Nietzsches Bild für das, was über den gegenwärtigen Menschen hinausgeht: In Also sprach Zarathustra lässt Nietzsche (1844–1900) seinen Zarathustra auf dem Markt verkünden: „Ich lehre euch den Übermenschen. Der Mensch ist Etwas, das überwunden werden soll.“ (Nietzsche, 1883, Also sprach Zarathustra, Vorrede 3). Gwendolin Kirchhoff hat über den Übermenschen mit ihrem Vater, dem Philosophen Jochen Kirchhoff, gesprochen, in der Folge „Was wollte Nietzsche?“ seiner Philosophischen Gespräche (2019) und im SYMPOSIUM-Gespräch „Nietzsche und die Große Gesundheit“ (2024).

#Was bedeutet Übermensch bei Nietzsche?

Übermensch bedeutet bei Nietzsche ein Ziel über den Menschen hinaus, und Zarathustra bindet dieses Ziel an die Erde: „Der Übermensch ist der Sinn der Erde.“ (Nietzsche, 1883, Also sprach Zarathustra, Vorrede 3). Zarathustra fragt seine Zuhörer: „Was habt ihr gethan, ihn zu überwinden?“ (ebd.). Und er vergleicht: „Was ist der Affe für den Menschen? Ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham. Und ebendas soll der Mensch für den Übermenschen sein: ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham.“ (ebd.). Im Vierten Teil verbindet Zarathustra den Übermenschen mit dem Tod Gottes: „Gott starb: nun wollen wir,—dass der Übermensch lebe.“ (Nietzsche, 1885, Also sprach Zarathustra, „Vom höheren Menschen“ 2). Den Satz „Gott ist tot!“ lässt Nietzsche schon in der Fröhlichen Wissenschaft einen tollen Menschen auf dem Markt rufen (Nietzsche, 1882, Die fröhliche Wissenschaft, § 125).

In Ecce homo nennt Nietzsche das Wort Übermensch eine Bezeichnung für einen „Typus höchster Wohlgerathenheit, im Gegensatz zu ‚modernen‘ Menschen, zu ‚guten‘ Menschen, zu Christen und andren Nihilisten“ (Nietzsche, 1888, Ecce homo, „Warum ich so gute Bücher schreibe“ 1). Wie Nietzsche den Zerfall der überlieferten Werte beschreibt, verfolgt der Eintrag Nihilismus.

#Was lehrt Zarathustra?

Zarathustra lehrt in der Vorrede, dass der Mensch kein Zweck ist, sondern ein Übergang: „Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Thier und Übermensch,—ein Seil über einem Abgrunde.“ (Nietzsche, 1883, Also sprach Zarathustra, Vorrede 4). Und weiter: „Was gross ist am Menschen, das ist, dass er eine Brücke und kein Zweck ist“ (ebd.). Dem Übermenschen stellt Zarathustra den letzten Menschen gegenüber: Er will der Menge „vom Verächtlichsten sprechen“, und das ist der letzte Mensch (ebd., Vorrede 5). „‚Wir haben das Glück erfunden‘—sagen die letzten Menschen und blinzeln.“ (ebd.).

#Woher kommt das Wort Übermensch?

Das Wort Übermensch ist älter als Nietzsche. In Goethes Faust redet der Erdgeist Faust als Übermenschen an: „Welch erbärmlich Grauen / Faßt Übermenschen dich!“ (Goethe, 1808, Faust: Der Tragödie erster Teil, Nacht).

Jochen Kirchhoff nennt im Gespräch „Was wollte Nietzsche?“ den Übermenschen einen religiösen Begriff, der „ganz viel verwendet“ worden sei, und nennt als berühmtes Beispiel die Stelle im Faust (Kirchhoff, J., 2019, „Was wollte Nietzsche?“, 30:51–30:53; vgl. 30:48–30:59). Er habe kürzlich nachgesehen und festgestellt, dass schon Dante das Wort verwende, als Verb; bei Dante sei der Übermensch in der Göttlichen Komödie der göttliche Mensch, „der eigentlich nur im Jenseits, in der Vereinigung mit dem Göttlichen zu sich selbst kommt“ (ebd., 30:40–30:47; vgl. 30:07–30:47). Der Begriff sei eingeführt gewesen, Nietzsche habe ihn dann populär gemacht, so könne man sagen (vgl. ebd., 31:34–31:43).

#Wie wurde der Übermensch missverstanden?

Missverstanden wurde der Übermensch nach Nietzsches eigenem Urteil schon zu seinen Lebzeiten. In Ecce homo schreibt er, das Wort sei „fast überall mit voller Unschuld im Sinn derjenigen Werthe verstanden worden, deren Gegensatz in der Figur Zarathustra’s zur Erscheinung gebracht worden ist“, nämlich als „‚idealistischer‘ Typus einer höheren Art Mensch, halb ‚Heiliger‘, halb ‚Genie‘“ (Nietzsche, 1888, Ecce homo, „Warum ich so gute Bücher schreibe“ 1). Andere, so Nietzsche, hätten ihn seinetwegen des Darwinismus verdächtigt (vgl. ebd.). Und er fügt hinzu: „Wem ich ins Ohr flüsterte, er solle sich eher noch nach einem Cesare Borgia als nach einem Parsifal umsehn, der traute seinen Ohren nicht.“ (ebd.).

Jochen Kirchhoff sagt im Gespräch „Was wollte Nietzsche?“, Nietzsche habe so suggestive Formeln in die Welt gesetzt, „die man einfach aus dem Zusammenhang reißen kann und benutzen kann“ (Kirchhoff, J., 2019, „Was wollte Nietzsche?“, 29:36–29:39; vgl. 29:30–29:39). Häufig komme beim Übermenschen der Gegenbegriff Untermensch auf, und sofort komme „eine politische, furchtbare Dimension ins Spiel“ (ebd., 32:35–32:40; vgl. 32:31–32:40): die Vorstellung, Nietzsche unterscheide den Übermenschen, und die anderen seien Untermenschen. „So ist es nicht.“, sagt Jochen Kirchhoff (ebd., 32:45–32:47; vgl. 32:39–32:47). Den Übermenschen nennt er „eine ambivalente Formel“, „eine ganz schwierige Formel, die natürlich zu jeder Art Missbrauch sofort einlädt“ (ebd., 39:08–39:16).

#Welche Rolle spielte Elisabeth Förster-Nietzsche?

Elisabeth Förster-Nietzsche, Nietzsches Schwester, übernahm während seiner Krankheit die Kontrolle über seinen literarischen Nachlass; sie veröffentlichte unter anderem eine Auswahl aus seinen Notizbüchern unter dem Titel Der Wille zur Macht (vgl. Anderson, 2026). Diese Herausgabe war nach dem Urteil der Stanford Encyclopedia of Philosophy in Nietzsches erhaltenen Plänen für das Buch nicht gut begründet und zudem von Elisabeths stark antisemitischen Überzeugungen beeinträchtigt, die Nietzsche selbst äußerst zugesetzt hatten (vgl. ebd.). Das Nietzsche-Archiv hatte sie 1894 in Naumburg gegründet und 1896 nach Weimar verlegt; eine Ausstellung im Haus dokumentiert heute dessen widerspruchsvolle Geschichte und seine Rolle „im Nietzsche-Kult des Nationalsozialismus“ (Klassik Stiftung Weimar, o. J.).

Im SYMPOSIUM-Gespräch „Nietzsche und die Große Gesundheit“ antwortet Jochen Kirchhoff auf Gwendolin Kirchhoffs Frage nach dem gesunden Übermenschen, das sei ganz schwierig, da sei Nietzsche sehr widersprüchlich, denn er bewundere auch Machtmenschen; das gehe manchmal „bis zur Peinlichkeit“ (Kirchhoff, G., 2024, „Nietzsche und die Große Gesundheit“, 32:57–32:58; vgl. 32:48–32:59). Die Frage, was Nietzsche sagen würde, wenn er Hitler erlebt hätte, nennt er „eine völlig müßige Frage“; aber man könne natürlich sagen, Nietzsches Schwester sei dann Nationalsozialistin geworden (ebd., 34:02–34:03; vgl. 33:54–34:12). Es gebe furchtbare Sätze von Nietzsche, sagt Jochen Kirchhoff im selben Gespräch, aber die habe er ja auch nur für sich notiert, in den Hauptschriften tauchten sie nicht auf; ob es legitim sei, private Notizen zu edieren und jede einzelne Aussage als absolute Aussage des Autors zu nehmen, nennt er eine Grundfrage, „Schwierig.“ (ebd., 36:03–36:04; vgl. 35:33–36:04).

#Wie liest Jochen Kirchhoff den Übermenschen?

Jochen Kirchhoff liest den Übermenschen, wenn man so will, als Nietzsches Begriff für den eigentlichen Menschen. Nietzsche benutze da einen Begriff, „um den eigentlichen Menschen, wenn man so will, herauszuheben“; spirituell könne man sagen, „der Mensch, wie er eigentlich gemeint ist“ (Kirchhoff, J., 2019, „Was wollte Nietzsche?“, 32:50–32:58; 33:00–33:03), was Jochen Kirchhoff selbst als kosmischen Anthropos bezeichnet (vgl. ebd., 33:03–33:06). „Und den nennt er den Übermenschen“, sagt Jochen Kirchhoff, „aber er will ja kein Religionsstifter sein“ (ebd., 33:05–33:12). Nachdem er einen Teil der Vorrede vorgelesen hat, spricht er von einem religiösen Gestus, „ganz religiös, ekstatisch aufgeladen“ (ebd., 36:31–36:35; vgl. 36:24–36:35).

Da sei man wieder im Bereich der Widersprüche, sagt Jochen Kirchhoff: Nietzsche sei auch ein Bewunderer einer an der Renaissance orientierten Sklavengesellschaft, in der einige wenige Künstler-Tyrannen herrschen sollen (vgl. ebd., 38:15–38:33). Dann fasst er zusammen: „also der Übermensch ist ein Ideal, wenn man so will“; der Übermensch habe die moralisch-christliche Weltordnung überwunden und sei in gewisser Weise auch ein kosmischer Mensch (ebd., 38:47–38:52; vgl. 38:47–39:04). Später im Gespräch beschreibt er, wie Nietzsche sich eine Besinnung der ganzen Menschheit gedacht habe, in der sie begreift, was der Mensch in der Tiefe ist, „und auch der Übermensch, der dann entsteht, nicht der Gewalt- und Machtmensch“ (ebd., 1:26:06–1:26:11; vgl. 1:25:25–1:26:11).

#Wie spricht Gwendolin Kirchhoff über den Übermenschen?

Gwendolin Kirchhoff fragt im Gespräch „Was wollte Nietzsche?“ nach dem Übermenschen als Gegenbild zum Allzumenschlichen: „Also Übermensch hier in diesem Fall als vielleicht Gegenbegriff zum Allzumensch?“ Jochen Kirchhoff antwortet: „Ja, genau.“ (Kirchhoff, J., 2019, „Was wollte Nietzsche?“, 1:26:34–1:26:39). Bei Nietzsche heißt es im Zweiten Teil des Zarathustra: „Niemals noch gab es einen Übermenschen.“ Zarathustra hat den größten und den kleinsten Menschen nackt gesehen: „Allzuähnlich sind sie noch einander. Wahrlich, auch den Grössten fand ich—allzumenschlich!“ (Nietzsche, 1883, Also sprach Zarathustra, „Von den Priestern“). Am Ende des Gesprächs fasst Gwendolin Kirchhoff zusammen, man habe betrachtet, „was mit dem Übermenschen angedacht ist“, als ein, wie sie sagt, auch vielleicht das Allzumenschliche überschreitendes Wesen, und was Nietzsche erlebt habe, „als einer, der auf den Berg stieg und irgendwie nicht mehr runterkam“; Jochen Kirchhoff stimmt zu: „Kann man sagen, ja.“ (Kirchhoff, J., 2019, „Was wollte Nietzsche?“, 1:47:53–1:47:57; 1:48:01–1:48:08; vgl. 1:47:49–1:48:08).

Im Manova-Podcast „Die Abschaffung des Menschen“ (2024) wird Gwendolin Kirchhoff gefragt, ob Transhumanisten Nietzsche zu Recht als eine Art Ahnherrn sehen, Stichwort Übermensch. Sie antwortet: „Ja und nein.“ (Kirchhoff, G., 2024, Manova-Podcast, 1:03:45). Es gebe tatsächlich Äußerungen, in denen Nietzsche von der Züchtung verschiedener Menschenkasten spreche und die Gesetze des Manu lobe (vgl. ebd., 1:03:46–1:04:00); in der Götzen-Dämmerung nennt Nietzsche als Aufgabe dieser Gesetze, „nicht weniger als vier Rassen auf einmal zu züchten“ (Nietzsche, 1889, Götzen-Dämmerung, „Die ‚Verbesserer‘ der Menschheit“ 3). Das könne man sich herausnehmen, „dann kann man sagen, ich lehre euch den Übermenschen und so weiter und kann das Ganze auf die Art und Weise auslegen“ (Kirchhoff, G., 2024, Manova-Podcast, 1:04:23–1:04:29).

„Trotzdem sehe ich persönlich Nietzsche“, beginnt Gwendolin Kirchhoff ihren nächsten Gedanken (ebd., 1:04:42–1:04:44). Nietzsche, ein Pastorenkind, habe in sich quasi wie eine Bewegung gespürt, sagt sie, und er versuche, „unmittelbar und sehr, sehr ehrlich zu sein“ (ebd., 1:05:16–1:05:19; vgl. 1:05:05–1:05:19). Er habe „mit enormen Gegnern gerungen“ und „enorme Dinge versucht, sie in sich zu überwinden, ohne so recht zu wissen, wohin das Ganze führen soll“ (ebd., 1:05:37–1:05:47). „Insofern, Nietzsche nehme ich in Schutz persönlich.“ (ebd., 1:05:46–1:05:49). Sie glaube, bei Nietzsche sei es tatsächlich eigentlich um die Überwindung von Macht- und Kontrollsystemen gegangen, „eigentlich auch in der Moral. Das war der ursprüngliche Ansatzpunkt.“ (ebd., 1:06:24–1:06:28; vgl. 1:06:17–1:06:28). Im Willen zur Macht fehle ein Punkt, der Wille allein sei es nicht: „Es gibt noch eine zweite Komponente, die Liebe.“ (ebd., 1:06:33–1:06:37; vgl. 1:06:30–1:06:37).

#Was lässt sich aus dem Übermenschen fragen?

Für das philosophische Gespräch schlägt dieser Eintrag vor, Zarathustras Rede nicht als Programm zu lesen, sondern als Frage; Zarathustra fragt selbst: „Was habt ihr gethan, ihn zu überwinden?“ (Nietzsche, 1883, Also sprach Zarathustra, Vorrede 3). Auf Dich gewendet: Was hast Du getan, den Menschen in Dir zu überwinden? Wo machst Du Dein Leben klein, damit es bequem bleibt, wie der letzte Mensch, der das Glück erfunden zu haben glaubt? Und wenn Du Dich als Seil verstehst, als Übergang: wohin willst Du hinüber? Ein solches Gespräch entscheidet nichts über einen Menschen; es fragt nach der Richtung.

Wie Jochen Kirchhoff Nietzsches Ja als Gesundheit liest, verfolgt der Eintrag Große Gesundheit; wie Nietzsche die Liebe zum Schicksal und die ewige Wiederkunft fasst, der Eintrag Amor fati. Den Gesamtzusammenhang seines Denkens zeigt der Eintrag Nietzsche, was er wollte, untersucht der Essay Was wollte Nietzsche wirklich?; den Transhumanismus beschreibt der Eintrag Transhumanismus.

#Quellen

  • Nietzsche, F. (1883). Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen. Erster und Zweiter Teil Chemnitz: Ernst Schmeitzner, 1883; Vierter Teil als Privatdruck Leipzig: C. G. Naumann, 1885. Zitiert nach Projekt Gutenberg (Zarathustra’s Vorrede 3, 4, 5; Zweiter Teil, „Von den Priestern“; Vierter Teil, „Vom höheren Menschen“ 2).
  • Nietzsche, F. (1882). Die fröhliche Wissenschaft. Chemnitz: Ernst Schmeitzner. Zitiert nach zeno.org, http://www.zeno.org/Philosophie/M/Nietzsche,+Friedrich/Die+fr%C3%B6hliche+Wissenschaft (§ 125).
  • Nietzsche, F. (1888). Ecce homo. Wie man wird, was man ist. Niedergeschrieben 1888, Erstveröffentlichung Leipzig: Insel-Verlag, 1908. Zitiert nach Projekt Gutenberg-DE („Warum ich so gute Bücher schreibe“ 1).
  • Nietzsche, F. (1889). Götzen-Dämmerung. Leipzig: C. G. Naumann. Zitiert nach Projekt Gutenberg („Die ‚Verbesserer‘ der Menschheit“ 3).
  • Goethe, J. W. von (1808). Faust: Der Tragödie erster Teil. Zitiert nach Projekt Gutenberg (Nacht).
  • Anderson, R. L. (2026). „Friedrich Nietzsche“. In: The Stanford Encyclopedia of Philosophy. Erstveröffentlichung 17.03.2017, inhaltlich überarbeitet 25.06.2026. https://plato.stanford.edu/entries/nietzsche/
  • Klassik Stiftung Weimar (o. J.). „Nietzsche-Archiv“. https://www.klassik-stiftung.de/nietzsche-archiv/ (abgerufen am 05.10.2026).
  • Kirchhoff, J. (2019). „Was wollte Nietzsche?“ [Video]. Philosophische Gespräche mit Jochen Kirchhoff, Episode 21. YouTube, 14.04.2019. https://www.youtube.com/watch?v=-EcVGcw8LlI (Gesprächspartnerin: Gwendolin Kirchhoff).
  • Kirchhoff, G. (2024). „Nietzsche und die Große Gesundheit – Ein Gespräch mit Jochen Kirchhoff – SYMPOSIUM“ [Video]. YouTube, 19.10.2024. https://www.youtube.com/watch?v=XS8vCl4BkvI (Gesprächspartner: Jochen Kirchhoff).
  • Manova (2024). „MANOVA Podcast: ‚Die Abschaffung des Menschen‘ (Gwendolin Kirchhoff und Tom-Oliver Regenauer)“ [Video]. YouTube, 31.05.2024. https://www.youtube.com/watch?v=bRamOfDdZZE

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet Übermensch bei Nietzsche?
In Also sprach Zarathustra (1883) verkündet Zarathustra: Ich lehre euch den Übermenschen; der Mensch ist etwas, das überwunden werden soll. Der Übermensch ist dort der Sinn der Erde. In Ecce homo nennt Nietzsche das Wort eine Bezeichnung für einen Typus höchster Wohlgeratenheit, im Gegensatz zu modernen und guten Menschen, zu Christen und anderen Nihilisten.
Was ist der letzte Mensch bei Nietzsche?
In der Vorrede des Zarathustra nennt Zarathustra den letzten Menschen das Verächtlichste. Er ist der Mensch, der Alles klein macht und sich selber nicht mehr verachten kann; die letzten Menschen sagen: Wir haben das Glück erfunden, und blinzeln.
Was bedeutet der Satz „Der Mensch ist ein Seil“?
Der Satz steht in Abschnitt 4 der Vorrede zu Also sprach Zarathustra: Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch, ein Seil über einem Abgrunde. Groß ist am Menschen, so Zarathustra weiter, dass er eine Brücke und kein Zweck ist; was an ihm geliebt werden kann, ist, dass er ein Übergang und ein Untergang ist.
Hat Nietzsche das Wort Übermensch erfunden?
Nein. Schon in Goethes Faust (1808) redet der Erdgeist Faust als Übermenschen an. Jochen Kirchhoff nennt den Übermenschen einen religiösen Begriff, der ganz viel verwendet worden sei; der Begriff sei eingeführt gewesen, und Nietzsche habe ihn dann populär gemacht, so könne man sagen.
Wie wurde der Übermensch missverstanden?
Schon Nietzsche selbst klagt in Ecce homo, das Wort sei fast überall im Sinn genau der Werte verstanden worden, deren Gegensatz Zarathustra verkörpert: als idealistischer Typus, halb Heiliger, halb Genie; andere hätten Nietzsche seinetwegen des Darwinismus verdächtigt. Jochen Kirchhoff nennt den Übermenschen eine ambivalente Formel, die zu jeder Art Missbrauch sofort einlade.
Wie sieht Gwendolin Kirchhoff die Berufung der Transhumanisten auf Nietzsche?
Gefragt, ob Transhumanisten sich zu Recht auf Nietzsche berufen, antwortet Gwendolin Kirchhoff: Ja und nein. Es gebe Äußerungen über die Züchtung von Menschenkasten, und man könne sie herausnehmen und das Ganze so auslegen. Trotzdem nimmt sie Nietzsche persönlich in Schutz: Er habe mit enormen Gegnern gerungen und versucht, enorme Dinge in sich zu überwinden, ohne so recht zu wissen, wohin das Ganze führen soll.

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