Bewusstsein, Maschine, Mensch — im Streitgespräch mit Joscha Bach

Im Frühjahr 2026 habe ich mit dem Kognitionswissenschaftler Joscha Bach bei Everlast AI über die fundamentalste Frage unserer Zeit gestritten: Was ist Bewusstsein — und kann eine Maschine es haben? Zweieinhalb Stunden, zwei radikal verschiedene Positionen, keine einfachen Antworten. Wir sind an keiner Stelle einer Meinung geworden — und genau deshalb lohnt sich das Gespräch.

Everlast AI · 2 Stunden 38 Minuten · auf YouTube ansehen

Worum ging es in dem Streitgespräch?

Drei Fragen tragen das ganze Gespräch — und an jeder trennen sich unsere Wege grundsätzlich.

1. Was ist Bewusstsein?

Joscha Bach: eine Wahrnehmung zweiter Ordnung — eine Simulation von Selbstheit, die das Gehirn erzeugt und die prinzipiell auch anders erzeugt werden könnte.

Meine Position: Bewusstsein ist kosmologischer Grund, nicht Produkt. Es lässt sich aus Materie nicht ableiten — und was sich nicht ableiten lässt, lässt sich auch nicht simulieren.

2. Können Maschinen bewusst sein?

Joscha Bach: eine offene empirische Frage; prinzipiell möglich, wenn die richtige Funktionsorganisation vorliegt.

Meine Position: ein kategorisches Nein. Das Boot-Problem zeigt, warum: Niemand hat je Lebendiges aus Teilen zusammengesetzt — und Bewusstsein ist an Lebendigkeit gebunden, nicht an Rechenleistung.

3. Ist der technologische Weg Fortschritt?

Joscha Bach: er ist unvermeidlich — und potenziell befreiend.

Meine Position: er ist prometheisch — getrieben von einem Kontrollbedürfnis gegenüber dem Lebendigen, das sich selbst nicht versteht. Die Frage ist nicht, ob wir es können, sondern warum wir es wollen.

Welche Begriffe braucht man, um die Debatte zu verstehen?

Zu den zentralen Begriffen des Gesprächs gibt es eigene Lexikon-Einträge — jeweils mit meiner Position, nicht als neutrale Definition:

Weiterdenken

Wer nach dem Gespräch tiefer einsteigen will: Der Essay Kann KI Bewusstsein haben? entfaltet meine Antwort im Zusammenhang. Was ist Bewusstsein? legt die Grundlagen, und Transhumanismus ordnet die Bewegung ein, gegen die sich meine Kritik richtet.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das Boot-Problem?

Das Boot-Problem ist Gwendolin Kirchhoffs Argument gegen die Machbarkeit künstlichen Bewusstseins: Niemand hat je eine lebende Zelle aus ihren Bestandteilen zusammengesetzt — Leben lässt sich bislang nur von Leben „booten". Wenn schon die einfachste Lebensform nicht aus Teilen synthetisierbar ist, fehlt der Behauptung, Bewusstsein sei auf einem beliebigen Substrat konstruierbar, die Grundlage. Ausführlich im Lexikon: Boot-Problem.

Was unterscheidet Gwendolin Kirchhoffs Position von der KI-Forschung?

Die verbreitete Position der KI-Forschung — auch Joscha Bachs — versteht Bewusstsein als Funktion: als Wahrnehmung zweiter Ordnung, die im Prinzip auf jedem geeigneten Substrat laufen kann. Gwendolin Kirchhoff versteht Bewusstsein umgekehrt als kosmologischen Grund, der nicht aus Materie abgeleitet und darum auch nicht simuliert werden kann. Aus der ersten Position folgt: Maschinenbewusstsein ist eine offene empirische Frage. Aus der zweiten folgt ein kategorisches Nein — und eine andere Frage: Warum wollen wir es überhaupt bauen?

Können Maschinen fühlen?

Eine Maschine kann Ausdrucksformen des Fühlens berechnen und täuschend echt wiedergeben. Fühlen selbst setzt nach Gwendolin Kirchhoffs Position einen lebendigen Leib voraus — Qualia, das Wie-es-ist des Erlebens, sind an Lebendigkeit gebunden, nicht an Informationsverarbeitung. Die Simulation eines Gefühls verhält sich zum Gefühl wie die Wettersimulation zum Regen: Es wird niemand nass. Vertiefung: Qualia und Maschinenbewusstsein.

Wo ist das vollständige Gespräch zu sehen?

Das vollständige Streitgespräch (2 Stunden 38 Minuten) ist auf dem YouTube-Kanal von Everlast AI erschienen: „Der Mensch soll abgeschafft werden!" — Wohin steuert uns KI wirklich? Aufgezeichnet wurde es im Frühjahr 2026 mit dem Kognitionswissenschaftler Joscha Bach.

Dieses Gespräch hat Dich bewegt? Die Fragen, um die es dort geht — was trägt, was lebendig ist, was der Mensch ist —, sind dieselben, mit denen Menschen in meine Konsultation kommen. Das Erstgespräch ist kostenfrei.

Kostenloses Erstgespräch vereinbaren